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Google hat sehr viele verschiedene Dienste im Portfolio. Viele davon sehr nützlich, manche weniger relevant und dann eben auch sehr viele die einfach nur mal als Test oder kurzzeitiger Versuch der Innovation in Erscheinung getreten sind.

Manche Dienste sind so schnell verschwunden wie sie gekommen sind

Häufig gilt: Je größer der Hype, desto kürzer die Lebenszeit. Zu letzterer Sorte sollte man definitiv Google+, das kürzlich eingestellt eigene Facebook, oder Google Wave, die erste Initiative zur Modernisierung des E-Mail-Systems, zählen. Aber ab und zu werden derlei Dienste dann eben auch mal wieder deaktiviert und entfernt. Konsolidierung macht Sinn, es ist ja nicht, sodass man im Internet zu wenig vermeintlich kostenlose Dienste hätte – im Gegenteil: Oftmals fällt es in Anbetracht der Möglichkeiten doch ziemlich schwer, auf das Pferd zu setzen, das die größte Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit verspricht.

google image charts deprecated notice

Manches ist “deprecated” – veraltet

Doch es gibt auch sinnvolle Services die von Google irgendwann mal als veraltet (“deprecated”) markiert wurden und lange keinen oder keinen vergleichbaren modernen Ersatz bieten. Dazu gehören v.a. die klassische To-do Verwaltung Tasks in Google Mail, die nun langsam durch Google Keep ersetzt wird (aber weitaus weniger in Gmail integriert ist) sowie die altbekannte Image Chart API. Letztere ist bereits seit 2012 veraltet d.h. sie wird nicht mehr supportet oder weiterentwickelt und kann – wie Google selbst betont – jederzeit und ohne weitere Vorwarnung abgeschaltet werden. Darüber hinaus ist die Image Chart API noch nicht mal via https:// erreichbar.

Es gibt aber natürlich schon das Nachfolge-System Google Charts, das viel schönere Statistiken mitsamt interaktiver Funktionen generieren kann – aber gerade darin liegt auch sein größtes Problem. Interaktivität erfordert einen Kontext bzw. Trägermedium in dem dies auch möglich ist. Dieses neue System braucht einen Rahmen, in dem Skripte geladen werden können und mit dem man idealerweise eben auch interagieren kann. Und genau deshalb und trotz all seiner Unzulänglichkeiten, dem “deprecated”-Status, der Gefahr der Deaktivierung und der unsicheren Kommunikation der Schnittstelle via http:// wird die klassische Image Chart API auch weiterhin vielfach genutzt.

Veraltete Dienste? Manche werden trotzdem sogar von Google selbst genutzt!

Denn: Die Hauptaufgabe der Chart API ist letztlich die Umsetzung von statistischen Grafiken in Form rein statischer Bilder – nicht interaktiver Elemente. Und statische Bilder haben einen enormen Vorteil. Sie sind statisch 🙂 und können genau aufgrund dieser Eigenschaft eben äußerst flexibel und nicht nur in Webseiten mithilfe von Skripten eingesetzt werden.

Aktuelle Dienste sind wichtig, genau wie aktuelle SSL-Zertifikate

Kürzlich erreichte mich eine E-Mail von Google mit einem Analytics-Bericht. Darin enthalten war ein wundervoll minimalistisches Donut-Diagramm und ich dachte mir “das schaue ich mir doch mal genauer an”. Ein Blick in den Quelltext zeigte sofort: Google selbst nutzt seine eigene veraltete Image Chart API. Denn in E-Mails kann man eben keine Skripte und daher auch keine interaktiven modernen Charts integrieren, hier braucht es weiterhin klassische und vor allem statische Bilder für deren Anzeige man nichts anderes braucht als ein HTML-Tag.

google analytics mail uses image api

Die Grafik mit dem Diagramm in der E-Mail wird gecacht aber wurde initial generiert durch folgenden URL-Aufruf:

http://chart.googleapis.com/chart?chs=190x190&cht=pc&chf=bg,s,ffffff&chco=fafafa,00a7f7%7C79d6ff%7C005b88%7C95b6ee&chd=t:0%7C46.56,42.62,10.82&chp=4.433&chma=0,0,0,0

Und warum? Weil es weiterhin keine kostenfreie Alternative für statische live generierte Statistiken gibt. Dass Google nun selbst noch auf diese alte Technologie setzt lässt uns zumindest die Hoffnung haben, dass wir die klassische Image Chart API doch noch länger dazu nutzen können. So werden statische visuelle Inhalte in E-Mail-Berichten, Dokumenten, Tabellen und Webseiten wohl noch eine Weile möglich sein. Denn “on the fly” muss nicht immer zwangsläufig bedeuten, dass es dynamisch zugehen muss. Manchmal liegt gerade in der Stabilität und Statik einer Sache eben auch ein ganz besonderer Wert.

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